Doping weil sie’s konnten
24. Mai 2007 | Autor: michael | Kategorie: Allgemein, Dritte HalbzeitNun gut, Doping spielt im Fußball kaum eine Rolle. Trotzdem sei mir ein kleiner Ausflug zum Thema erlaubt, wir befinden uns ja fast im Sommerloch und um Sport soll es gehen:
Da sitzen Erik Zabel und Rolf Aldag gerade in der Pressekonferenz und legen ihre Lebensbeichte ab:
- Wir haben es getan, weil wir es konnten und sicher waren, dass es uns keiner nachweisen kann.
- Wir haben euch alle angelogen, das tut uns leid.
Das sind die Kernaussagen. Gewürzt werden sie mit ein paar Anekdötchen, persönlichen Leidensgeschichten und sogar Tränchen fließen.
Sorry, das kann es nicht sein. Eine Generalabrechnung mit den Schattenseiten des Sports stelle ich mir anders vor. Da wird offen zugegeben, dass die Notwendigkeit der Beichte nicht von Einsicht oder Verstand getrieben ist, sondern von Medienberichten, die ein weiteres Stillhalten einfach nicht mehr zuließen. Wie selbstverständlich wird eingeräumt, dass viele andere aktive und ehemalige Radsportler betroffen sind. Es klingt halbherzig, wenn der Teamchef appelliert, jetzt seien auch andere gefordert, eine Salamitaktik sei nicht zu vertreten.
Hut ab vor dem persönlichen Mut von Zabel und Aldag, aber das darf erst der Anfang eines langen Weges gewesen sein, wenn der Radsport eine Zukunft haben will. Und zwar für die beiden Vorreiter und alle, die ihnen vielleicht schnellstmöglich folgen. Ich bin allerdings gar nicht sicher …
[...] Nachdem Michael und viele, viele andere es schon getan haben, will ich als großer Passivsportler nun auch mal meinen Senf zur Dopingdiskussion im Radsport dazu geben. Solange ich mich erinnern kann bin ich Radsportfan. Insbesondere die Tour, na klar wird bei fast jedem so sein, hatte es mir schon immer angetan. Ich glaube ich habe in der 7. Klasse auch nur Französisch als zweite Fremdsprache gewählt, weil die L’Equipe nun mal nicht in Latein gedruckt wird. Die große Schleife – Alpen, Pyrenäen, Col de la Madeleine, Col du Tourmalet, L’Alpe d’Huez und Mont Ventoux, die Sprintankünfte in Bordeaux und Paris. Die großen Helden – “Lucho” Herrera, Indurain, Hinault, Epo Lance und Bloody Ulle. [...]
Warum sollten deutsche Sportler auch anders sein, als US-amerikanische oder chinesische…
Mal ganz ehrlich: Ich bin nicht (mehr) so naiv zu glauben, dass es im Profisport noch mit 100% fairen Mitteln zugeht. In Sportarten, die hauptsächlich eine extreme körperliche Belastung der Sportler fordern, wird Doping eingesetzt. In anderen, eher technischen Sportarten wie Fußball haben wir Wettskandale und Spielmanipulationen. Je größer der Kommerz, desto größer der Anreiz zu betrügen. Warum sollte es im Sport anders zugehen, als im restlichen Wirtschaftsleben.
Was können wir Fans machen? Entweder an unserer Naivität zerbrechen oder aber es hinnehmen und stumpfsinnig die “Show” genießen… Eine dritte Möglichkeit gibt es natürlich auch: der Sportart den Rücken zukehren.