Drahtseilakt zwischen schwarz und schwul

24. August 2007 | Autor: michael | Kategorie: Dritte Halbzeit, Flimmern & Rauschen

Sorgte die so genannte Weidenfeller-Asamoah-Rassismus-Affäre nach dem Derby schon für reichlich Aufregung, so schlagen die Wellen nach dem Urteil des DFB (3 Spiele Sperre und 10.000 € Geldstrafe) noch höher. In Foren, Presse und Verlautbarungen der Spieler und Vereine kursieren Interpretationen des Urteils, die alle Möglichkeiten von Willkür über Bestätigung des Rassismus-Vorwurfs bis zum faktischen Freispruch abdecken. So schwer kann es doch nicht sein.

In der offiziellen Veröffentlichung des DFB heisst es:

Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat auf Antrag des DFB-Kontrollausschusses den Lizenzspieler Roman Weidenfeller von Borussia Dortmund wegen einer herabwürdigenden und verunglimpfenden Äußerung gegen Gerald Asamoah vom FC Schalke 04 im Bundesligaspiel am 18. August 2007 zu einer Sperre von drei Meisterschaftsspielen und einer Geldstrafe in Höhe von 10.000 Euro verurteilt.

Zu Gunsten von Weidenfeller wurde berücksichtigt, dass er sich nach einer für ihn schmerzhaften Auseinandersetzung mit Asamoah zu einer verbalen Entgleisung hinreißen ließ. Außerdem entschuldigte er sich noch auf dem Spielfeld bei seinem Gegner und söhnte sich zwischenzeitlich mit ihm aus. Wegen dieser gewichtigen Entlastungsgründe wurde von einem möglichen Punktabzug für Borussia Dortmund gemäß § 9 der Rechts- und Verfahrensordnung des DFB und der entsprechenden FIFA-Bestimmungen abgesehen.

So weit, so schlecht. Formal mag dieses Statement ausreichend zu sein. In einer Situation, in der sehr breit der Vorwurf einer rassistischen Beleidigung diskutiert wird, geht sie nicht weit genug. Das zeigen die folgenden (willkürlich aus einer Unmenge anderer herausgepickten) Reaktionen:

Der BVB berichtet auf der offiziellen Homepage über das Urteil und stellt unter anderem fest:

Borussia Dortmund legt großen Wert auf die Feststellung, dass Roman Weidenfeller damit vom Vorwurf einer rassistischen Beleidigung freigesprochen worden ist.

Die Süddeutsche will herausgefunden haben, dass es nicht um schwarz, sondern um schwul ging. Damit wären dann auch die Vorwürfe der rassistischen Beleidigung vom Tisch. Andere Blätter sehen die Situation durchaus differenzierter. Die Liste der Spekulationen ließe sich beliebig fortsetzen.

Das alles ist nur möglich, weil der DFB nicht die Eier hat, die Dinge beim Namen zu nennen. Alle Beteiligten kennen den Rassismus-Vorwurf. Das kann und darf man nicht ignorieren. Durch den Eiertanz, das böse Wort auf keinen Fall in den Mund zu nehmen, öffnet der DFB den Anhängern aller Lager Tür und Tor für ihre ganz eigenen Versionen. Das ist der Sache nicht förderlich und kann für die Zukunft fatale Folgen haben.

Lieber DFB, noch ist es nicht zu spät für eine deutliche Position:

Wenn der Rassismus-Vorwurf sich bestätigt hat oder womöglich reumütig eingeräumt wurde, stellt das klar. Die strafmildernden Umstände könnte man auch dann erklären.

Für den Fall, dass der Vorwurf nicht bewiesen wurde, sich als falsch herausstellte oder auf einem Missverständis beruhte, kann auch das erklärt werden, ohne dass einer der Beteiligten sein Gesicht verliert.

Alltäglicher Rassismus – und dieser Vorwurf steht weiter im Raum – darf nicht verschwiegen oder verschleiert werden. Gerade Verbände und Vereine stehen durch ihre Vorbild-Funktion und ihre Rolle als Multiplkatoren in einer besonderen Verantwortung. Das vom DFB an den Tag gelegte Verhalten ist kontraproduktiv und in dieser Form nicht hinnehmbar!

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Ein Kommentar
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  1. wenn es denn ’schwul’ statt ’schwarz’ war, wie die sz meinen soll, dann wäre das zwar weniger rassistisch, aber dennoch eine miese diskriminierung, da ist (angesichts der derzeitigen situation) wohl ein qualitativer, aber kein genereller unterschied

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