Bundesliga-Schleudersitz: Die 10 schnellsten Trainer-Entlassungen aller Zeiten
Wenn die Geduld der Bosse nach wenigen Wochen reißt – das Ranking der Blitz-Rauswürfe in der Bundesliga-Geschichte. Und was dahinter steckte.
Mit Herbert Widmayer fing alles an. Der Trainer des 1. FC Nürnberg war am 30.10.1963 der allererste Bundesliga-Trainer, der seinen Job verlor – und die höchste deutsche Spielklasse hatte im gefeierten Premierensaison auch eine unschöne Premiere.
Fans verbrannten ihre Fahnen und Widmayer wurde nach einer 0:5–Heimniederlage gegen Kaiserslautern beim Verlassen der Kabine bespuckt, so wird berichtet. Die Erfolge der Zeit davor – 1961 wurde der FCN unter Widmayer noch deutscher Meister – waren nichts mehr wert.
Die kommenden Jahrzehnte zeigten: Widmayer blieb kein Einzelfall (und manche Vereine sind geradezu Wiederholungstäter). So wie ihm erging es in der Bundesliga unzähligen anderen Trainerkollegen. Am Ende steht fast immer die Entlassung. Und bei einigen kam diese unerwartet früh – im Rekordtempo sogar.
Hier die Top 10 der schnellsten Trainer-Entlassungen der Bundesligageschichte:
#10 Jürgen Klinsmann (Hertha BSC)
Amtszeit: 27.11.2019 – 11.02.2020 (76 Tage)
Bilanz: 10 Pflichtspiele (3 Siege, 3 Remis, 4 Niederlagen).
Erwartung: Jürgen Klinsmann (61) kam als „großer Hoffnungsträger“. Mit den Millionen des Investors Lars Windhorst sollte er Hertha BSC in einen „Big City Club“ verwandeln, der langfristig um Titel mitspielt und europäisch vertreten ist. Ursprünglich trat er als Aufsichtsrat an und übernahm dann überraschend den Trainerposten, nachdem die Hertha unter Vorgänger Ante Čović in Absteigsnöte geraten war.
Grund der Entlassung: Das besondere ist – Klinsmann machte selber Schluss. Und zwar per Facebook-Post. Und ohne den Verein oder die Mannschaft vorab zu informieren. Klinsmann beklagte, daß es nicht die erhoffte Machtfülle als „Manager nach englischem Vorbild" erhalten hatte. Kurz nach seinem Abgang wurden zudem seine sogenannten „Tagebücher“ (interne Abrechnungen) in der Sport Bild geleakt. Darin bewertete er Spieler und Funktionäre vernichtend und bezeichnete das Projekt Hertha BSC als „das spannendste Fußballprojekt in Europa“, das jedoch durch „Amateurhaftigkeit“ im Verein blockiert werde.
#9 Bernd Krauss (Borussia Dortmund)
Amtszeit: 05.02.2000 – 12.04.2000 (67 Tage)
Bilanz: 13 Pflichtspiele (0 Siege, 5 Remis, 8 Niederlagen).
Erwartung: Bernd Kraus (68 löste beim BVB Michael Skibbe ab, nachdem es in Dortmund zu massiven Zuschauerprotesten gegen Skibbe gekommen war. Kraus sollte den Starbespickten Kader stabilisieren und zurück auf die Champions League–Ränge führen.
Grund der Entlassung: Die Zeit unter Kraus wurde zum sportlichen Desaster. Kein einziger Sieg, das Aus im UEFA–Cup. Anstatt mit den Champions League–Ränge zu beschäftigen, musste sich der BVB plötzlich Abstiegssorgen machen. Auf Platz 13 stehend, mit einem Punkt Abstand zu den Abstiegsrängen, zogen die Verantwortlichen die Notbremse und holten das legendäre Duo Lattek/Sammer.
#8 Erik ten Hag (Bayer Leverkusen)
Amtszeit: 01.07.2025 – 01.09.2025 (62 Tage)
Spiele: 2 (0 Siege, 1 Remis, 1 Niederlage)
Erwartung: Nach einem massiven Kaderumbruch im Sommer 2025 wurde Erik ten Hag (56) als Nachfolger von Meistertrainer Xabi Alonso präsentiert. Die Erwartungshaltung nach der erfolgreichen Saison 23/24 (Meisterschaft und DFB-Pokalsieg) und der Vize–Meisterschaft 2025 war groß. Der Niederländer kam mit der Erfahrung aus Top–Clubs wie Manchester United und Ajax Amsterdam, und sollte die „Werkself" nach dem Abschied Alonsos neu auszurichten.
Grund der Entlassung: Leverkusens Sportchef Simon Rolfes räumte später ein, dass das Vertrauensverhältnis schon vor dem ersten Spieltag erschüttert war. Nach dem Fehlstart zog man schnell die Reißleine, um ein Missverständnis zu beenden, das sich bereits in der Saisonvorbereitung abgezeichnet hatte.
#7 Jens Keller (VfB Stuttgart)
Amtszeit: 14.10.2010 – 11.12.2010 (58 Tage)
Spiele: 13 Pflichtspiele (5 Siege, 3 Remis, 5 Niederlagen)
Erwartung: Nach der Entlassung von Christian Gross wurde der bisherige Co-Trainer Jens Keller (55) zum Chef befördert, um die Mannschaft vom letzten Tabellenplatz wegzuführen. Man vertraute darauf, dass er durch seine Nähe zum Team die richtigen Hebel für eine schnelle Besserung finden würde.
Grund der Entlassung: Zwar gab es Erfolge im Pokal und in der Europa League, doch in der Bundesliga blieb die notwendige Punkteausbeute deutlich hinter den Erwartungen zurück. Eine 1:2–Niederlage gegen Hannover 96 gab schließlich den Ausschlag für Kellers Freistellung.
#6 Dieter Renner (1. FC Nürnberg)
Amtszeit: 10.11.1993 – 02.01.1994 (53 Tage)
Spiele: 5 (1 Sieg, 1 Remis, 3 Niederlagen)
Erwartung: Dieter Renner (†) wurde mitten in der Saison vom Co–Trainer zum Chefcoach befördert, nachdem der „Club“ Willi Entenmann rausgeschmissen hatte. Renner sollte den strauchelnden FCN in der Bundesliga wieder in die Erfolgsspur zu führen.
Grund der Entlassung: Da die Mannschaft unter ihm nur einen Sieg einfahren konnte, blieb die erhoffte Kehrtwende in der Tabelle aus. Um zum Rückrundenstart noch einmal neue Energie freizusetzen, entschied sich der Verein kurz nach dem Jahreswechsel 1994 für einen weiteren Trainerwechsel.
#5 Bernd Hollerbach (Hamburger SV)
Amtszeit: 22.01.2018 – 12.03.2018 (49 Tage)
Spiele: 7 (0 Siege, 3 Remis, 4 Niederlagen)
Erwartung: Bernd Hollerbach (56) sollte als „harter Hund" den Bundesliga-Dino retten. Dem Ex–HSV–Profi trauten die Vereinsverantwortlichen zu, den Klub aus der sportlichen Krise zu führen. Im Januar 2018 stand der HSV abgeschlagen auf dem 17. Tabellenplatz. Der erste Abstieg der Bundesligageschichte drohte.
Grund der Entlassung: In sieben Spielen gelang kein einziger Sieg. Stattdessen eine deutliche 0:6–Klatsche in München – Hollerbachs letztes Spiel als Cheftrainer. Er wurde durch Christian Titz ersetzt, der den Abstieg jedoch auch nicht mehr verhindern konnte. Nach 55 Jahren ununterbrochener Bundesliga–Zugehörigkeit folgte der erstmalige Gang in die 2. Liga.
Hollerbach sagte später: „Ich hätte es mir einfacher vorgestellt, die Köpfe der Spieler zu erreichen."
#4 Michael Skibbe (Hertha BSC)
Amtszeit: 27.12.2011 – 12.02.2012 (47 Tage)
Spiele: 5 Pflichtspiele (4 Niederlagen in der Bundesliga, zudem das Aus im DFB–Pokal)
Erwartung: Hertha BSC bezahlte 250.000 Euro Ablöse an den türkischen Erstligisten Eskişehirspor. Michael Skibbe (60) sollte die Berliner spielerisch weiterentwickeln und stabilisieren, nachdem sich der Verein vom bisherigen Trainer Markus Babbel wegen heftiger Differenzen getrennt hatte.
Grund der Entlassung: Es lief nicht so wie erhofft. Die katastrophale Bilanz von null Punkten aus vier Ligaspielen – dazu das Aus im DFB–Pokal–Viertelfinale. Nach einer 0:5–Auswärtsniederlage beim VfB Stuttgart war Skibbe in Berlin nicht mehr tragbar. Hertha–Manager Michael Preetz sagte trocken: „Wir müssen die nackten Ergebnisse bewerten."
Das Hertha-Intermezzo war die letzte Bundesliga-Station von Skibbe.
#3 Jürgen Sundermann (VfB Leipzig)
Amtszeit: 22.02.1994 – 09.04.1994 (46 Tage)
Spiele: 8 (1 Sieg, 1 Remis, 6 Niederlagen)
Erwartung: Der als „Wundermann" bekannte Jürgen Sundermann (†) sollte dem Bundesliga–Neuling Leipzig den Klassenerhalt sichern. Die Lage war zu diesem zeitpunkt desolat. Der VfB stand nach 22. Spieltagen auf dem letzten Tabellenplatz. Sundermann sollte das „Wunder" vollbringen, wie schon 1993, als er den Verein sensationell in die 1. Liga führte.
Grund der Entlassung: Der Effekt war schnell verpufft. Sundermann brachte nicht die erhoffte Wende und der Verein zog nach wenigen Wochen die Reißleine. Am Ende stieg der VfB Leipzig trotzdem sang– und klanglos aus der Bundesliga ab. Es sollte die erste und letzte Bundesligasaison der Leipziger bleiben.
#2 Friedel Rausch (Eintracht Frankfurt)
Amtszeit: 03.04.2001 – 19.05.2001 (46 Tage)
Spiele: 7 (2 Siege, 0 Remis, 5 Niederlagen)
Erwartung: Friedel Rausch (†) war ein erfahrener "Feuerwehrmann" und wurde in einer Blitzaktion verpflichtet, um die Eintracht vor dem Abstieg zu retten. Nachdem Frankfurt bereits 1999 und 2000 nur knapp die Klasse halten konnten, hofften die Hessen auf das „dritte Wunder am Main“.
Grund der Entlassung: Das Wunder stellte sich nicht ein. Unter Rausch rauschte die Eintracht ab auf einen Abstiegsplatz. Als am 33. Spieltag, trotz eines 2:1–Heimsieges gegen den VfB Stuttgart, der Abstieg feststand, trennte sich der Verein von seinem Cheftrainer.
#1 Robert Körner (1. FC Nürnberg)
Amtszeit: 25.03.1969 – 12.04.1969 (18 Tage)
Spiele: 3 Pflichtspiele (2 Niederlagen, 1 Sieg im DFB–Pokal–Achtelfinale))
Erwartung: Robert Körner (†) war zuvor Co-Trainer unter Max Merkel beim FCN. Zusammen feierten sie den Gewinn der deutschen Meisterschaft 1968. Nach Merkels Entlassung sollte Körner als „Kenner der Mannschaft" den amtierenden Meister vor dem völlig überraschenden Abstieg retten.
Grund der Entlassung: Die sportliche Wende blieb aus. Der Club-Vorstand geriet in Panik und entließ Körner nach nur 18 Tagen, um mit Kuno Klötzer noch einmal einen externen Impuls zu setzen. Die Saison 1968/69 endet mit einer einmaligen Kuriosität:
der 1. FC Nürnberg steigt als amtierender Meister ab. Ebenso wie die Blitzentlassung von Körner ist dies ein einmaliger Rekord in der Bundesliga-Geschichte.
