Das waren besten Trainer der DDR-Geschichte
Heinz Krügel, Georg Buschner und Co. Sie haben den Fußball im Osten geprägt. Ein Blick auf die Trainer, die trotz Druck Sportgeschichte schrieben.
Wer in der DDR Trainer war, brauchte ein dickes Fell. Es war ein hartes Geschäft, das oft wenig mit Sport allein zu tun hatte. Doch es gab ein paar Gesichter, die trotz aller Widerstände echte Erfolge aus ihren Mannschaften gekitzelt und definitiv herausgestochen sind. Wir zeigen dir die besten Trainer der DDR!
Georg Buschner
Georg Buschner betreute die Nationalmannschaft von 1970 bis 1981 und hatte es dabei keineswegs leicht. Ein ständiges Problem war das Tauziehen mit den DDR-Vereinen, die ihre besten Spieler nur ungern für die Auswahlmannschaften freigaben, da sie sie selbst für die Liga oder den Europapokal brauchten. Buschner musste deshalb viel Verhandlungsgeschick beweisen, um seine Spieler überhaupt zusammenzubekommen.
Erschwerend kam der politische Druck hinzu: Die SED sah im Fußball ein Aushängeschild für das sozialistische System und forderte Siege als Beweis für dessen Überlegenheit.
Georg Buschner stand somit ständig zwischen den Fronten. Trotz dieser schwierigen Bedingungen feierte er historische Erfolge. Besonders in Erinnerung bleibt der Sieg gegen die Bundesrepublik Deutschland bei der Weltmeisterschaft 1974. Zudem führte er das Team zu olympischem Gold und Bronze.
Hans Meyer
Hans Meyer trainierte Carl Zeiss Jena von 1971 bis 1983. Er war das genaue Gegenteil der üblichen DDR-Trainer, die oft als harte Schleifer galten. Meyer setzte auf den Verstand seiner Spieler, denn er wollte, dass sie mitdenken, statt nur Befehle auszuführen.
Dass er aneckte, lag vor allem an seiner Art: Er redete den SED-Funktionären nicht nach dem Mund. Wenn er mit politischen Vorgaben oder der Einmischung in den Sport nicht einverstanden war, sagte er das auch, und zwar direkt. Sein Humor war legendär: trocken, sarkastisch und oft so schlagfertig, dass die Funktionäre keine passende Antwort hatten. So sagte er beispielsweise einst: „In jedem Kader gibt es fünf richtig blöde Spieler. Von denen würde einer auf jeden Fall unter der Brücke landen, wenn er nicht Fußball spielen würde.“
Er bewies, dass man im DDR-Fußball auch Erfolg haben kann, etwa als er Jena 1981 bis ins Finale des Europapokals führte.
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Eduard Geyer
Eduard Geyer trainierte Dynamo Dresden von 1986 bis 1990. Er brachte eine klare Linie in die Mannschaft und legte extrem viel Wert auf körperliche Fitness und harte Arbeit. Das war damals nötig, um gegen den BFC Dynamo zu bestehen, der die Liga über Jahre hinweg dominierte. Sein Erfolg gab ihm recht: Unter ihm wurde Dresden 1989 und 1990 DDR-Meister. Geyer war niemand, der lange diskutierte, er wollte, dass sich jeder Spieler voll auf das Ziel konzentriert. 1990 wurde er dann zum letzten Trainer der DDR-Nationalmannschaft berufen.
Walter Fritzsch
Fritzsch trainierte Dynamo Dresden von 1969 bis 1978. Er war ein väterlicher Typ, den seine Spieler auch mal „Vater Fritzsch“ nannten. Während andere Trainer eher auf Drill und Angst setzten, setzte er auf Vertrauen und spielerische Freiheit. Unter ihm spielte Dresden den attraktivsten Fußball der DDR: schnell, technisch stark und extrem offensiv. Er holte fünf Meistertitel und war bei den Spielern und Fans so beliebt, dass sein Abschied 1978 für viele eine kleine Zäsur im Verein war.
Jürgen Bogs
Jürgen Bogs war von 1979 bis 1989 Trainer des BFC Dynamo. Er ist der Coach hinter der größten Serie des DDR-Fußballs: Unter seiner Führung wurde der Verein von 1979 bis 1988 zehnmal in Folge DDR-Meister. Der BFC Dynamo galt als „Stasi-Club“ (unterstützt vom Ministerium für Staatssicherheit), was den Verein im ganzen Land für viele massiv unbeliebt machte.
Für Bogs bedeutete das einen enormen Druck: Da der Verein politisch so eng mit der Staatsführung verknüpft war, wurde jeder andere Platz als die Meisterschaft als Versagen gewertet.
Bernd Stange
Bernd Stange trainierte die DDR-Nationalmannschaft von 1983 bis 1988. Er war damals der jüngste Nationaltrainer der DDR und galt fachlich als einer der modernsten. Er führte neue Trainingsmethoden ein und wollte den Fußball professioneller machen.
Doch Stange war eine extrem umstrittene Figur: Er arbeitete eng mit dem Ministerium für Staatssicherheit (Stasi) zusammen und war als „Inoffizieller Mitarbeiter“ (IM) registriert. Er nutzte sein Wissen über die Spieler und deren privates Umfeld, um das Team im Sinne der SED zu kontrollieren.
Nach der Wende kam später heraus, wie tief er eigentlich in die staatliche Überwachung verstrickt war. Er steht damit heute wie kaum ein anderer Trainer für das Spannungsfeld zwischen modernem Sport und der politischen Instrumentalisierung durch das DDR-Regime.
Das „System“ DDR-Fußball
Der DDR-Fußball war weit mehr als nur Sport; er war ein zentrales Instrument staatlicher Selbstdarstellung. Für die SED galt sportlicher Erfolg als Beweis für die Überlegenheit des sozialistischen Gesellschaftssystems. Diese politische Bedeutung prägte die gesamte Struktur: Es gab keine freie Marktwirtschaft, sondern ein hierarchisches System der „Schwerpunktclubs“.
Der Staat steuerte gezielt, welche Vereine – wie der BFC Dynamo oder Dynamo Dresden – durch Talentförderung und Privilegien dominieren durften. Besonders beim „Stasi-Club“ BFC Dynamo wurde deutlich, wie eng Macht und Sport verknüpft waren.
Trainer fungierten in diesem Umfeld oft als Teil des staatlichen Apparats; sie mussten sportlichen Erfolg als ideologischen Auftrag begreifen. Wer sich widersetzte oder politisch nicht „auf Linie“ lag, riskierte seine Laufbahn. Dieses System erzeugte enormen psychologischen Druck, da Ergebnisse nicht nur sportlich, sondern als politisches Signal gewertet wurden.
Der radikale Umbruch nach 1990
Der Mauerfall 1989 und die Wiedervereinigung 1990 bedeuteten das Ende des DDR-Sportmodells.
Nach dem Mauerfall 1989 war die DDR-Oberliga von heute auf morgen Geschichte. Die Trainer standen plötzlich vor einem Scherbenhaufen: Das staatliche System mit seinen festen Strukturen und Fördergeldern war weg.
Jetzt hieß es: Sponsoren suchen, Profis managen, Presseanfragen beantworten. Sie waren zwar exzellente Taktiker, aber im „Westen“ ging es plötzlich um mehr als nur Training. Es ging um Marketing, Spielerberater und einen medialen Druck, den sie so noch nicht kannten.
Es war ein knallharter Wettbewerb, bei dem sich schnell herausstellte, wer wirklich ein Profi war und wer nur innerhalb der geschützten Strukturen funktioniert hatte.
Wer hat den Sprung in der Bundesrepublik Deutschland geschafft?
Hans Meyer ist das beste Beispiel für diese sportliche Leistungsfähigkeit: Er übernahm Borussia Mönchengladbach in einer sportlich extrem schwierigen Phase und schaffte den Klassenerhalt, später etablierte er den Verein nachhaltig in der Bundesliga.
Auch Eduard Geyer bewies bei Energie Cottbus, dass seine akribische Arbeit Früchte trug: Er führte den Verein aus den unteren Ligen bis in die Bundesliga – eine der größten Überraschungen jener Zeit.
