Fußball WM Statistik: Rekorde für rote Karten und Verwarnungen

Wer sah am häufigsten Rot? Welches Spiel war das schmutzigste der WM-Geschichte? Wir checken die Rekorde von Zidane, Song & Co.

Während die meisten versuchen, eine Sperre zu umgehen, gibt es Spieler, die öfter mal vorzeitig den Platz verlassen mussten.
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Bei einer WM geht es um alles oder nichts. Da kochen die Emotionen auf dem Rasen schnell mal über. Während die meisten Spieler versuchen, eine Sperre zu umgehen, gibt es in der Geschichte des Turniers einige Kicker und Partien, die durch eine besonders hohe Anzahl an Verwarnungen und Karten aufgefallen sind. 

Nach nur 56 Sekunden bekam José Batista 1986 eine rote Karte.
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Die schnellste Rote Karte

Manche Spieler kommen gar nicht erst ins Schwitzen. Der Uruguayer José Batista hält seit 1986 einen Rekord, den sonst wahrscheinlich auch niemand will: Er sah beim Spiel Uruguay gegen Schottland nach gerade einmal 56 Sekunden die rote Karte. Nach einem Einwurf der Schotten versuchte der schottische Star Gordon Strachan, den Ball zu kontrollieren. José Batista kam von der Seite herangesprintet und grätschte Strachan mit voller Wucht und gestrecktem Bein von hinten in die Beine.

Welche Spieler hatten insgesamt die meisten roten Karten bei der WM?
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Die Spieler mit den meisten Karten

In der Geschichte der Weltmeisterschaften gibt es vier Namen, die besonders häufig im  Notizblock der Schiedsrichter landeten. Zinedine Zidane sammelte in 12 Spielen insgesamt sechs Karten, wobei seine zwei Platzverweise – besonders der Kopfstoß 2006 – sich wirklich in die Köpfe der Zuschauer*innen eingebrannt haben. Ebenfalls auf sechs Karten kommt der Brasilianer Cafu, allerdings blieb er bei seinen 20 Einsätzen stets ohne rote Karte. Rafael Márquez aus Mexiko schaffte in 16 Spielen ebenfalls sechs Karten, inklusive eines Platzverweises. Abgerundet wird die Liste durch Rigobert Song, der in nur neun Spielen fünf Karten sammelte. Davon waren zwei rote Karten, was ihn neben Zidane zum Rekordhalter für Feldverweise macht.

Das Achtelfinale der WM 2006 wurde als „Schlacht von Nürnberg“ bekannt.
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Die meisten Platzverweise in einer Partie

Die Begegnung zwischen Portugal und den Niederlanden aus dem Jahr 2006 hält den Rekord für die meisten Feldverweise bei einer WM. In diesem Achtelfinale, das als „Schlacht von Nürnberg“ bekannt wurde, schickte der russische Schiedsrichter gleich vier Spieler mit Gelb-Rot vorzeitig vom Platz. Das Spiel endete neun gegen neun und wurde als eine der härtesten und verbissensten Partien der Fußballgeschichte bekannt. Es war kaum noch ein Spielfluss möglich, da fast jede Aktion in einer Verwarnung oder Diskussion endete. 

Die WM 2006 in Deutschland war das kartenreichste Turnier aller Zeiten.
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Das kartenreichste WM-Turnier aller Zeiten

Blickt man auf die Statistik der gesamten Turniere, sticht die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland deutlich hervor. In den insgesamt 64 Partien zückten die Schiedsrichter eine unglaubliche Anzahl von 345 gelben Karten und 28 Platzverweisen. Ein Hauptgrund für diese enorme Flut war die damals sehr strikte Anweisung der FIFA an die Unparteiischen, besonders konsequent gegen Grätschen von hinten und Ellbogenchecks vorzugehen. Viele Expert*innen und Fans kritisierten damals, dass der Spielfluss unter dieser extremen Regelauslegung litt und viele Begegnungen unnötig zerpfiffen wurden. 

Luis Suárez schlug den Ball bei der WM 2010 absichtlich mit der Hand.
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Die taktische Rote Karte von Luis Suárez

Ein Platzverweis muss nicht immer das Ergebnis eines Fouls sein, denn manchmal ist er ein kalkuliert für den Erfolg der Mannschaft. Im Viertelfinale der WM 2010 gegen Ghana verhinderte der uruguayische Stürmer Luis Suárez in der allerletzten Minute der Verlängerung ein sicheres Gegentor, indem er den Ball mit der Hand von der Linie schlug. Er sah für diese Aktion sofort die rote Karte, doch der Plan ging auf: Ghana verschoss den fälligen Elfmeter und Uruguay rettete sich ins Elfmeterschießen, das sie schließlich gewannen. Während Suárez in seiner Heimat natürlich als Retter gefeiert wurde, gilt diese Szene international bis heute als einer der umstrittensten und unsportlichsten Momente der Fußballgeschichte.

Josip Šimunić erhielt 2006 drei rote Karten.
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Drei Gelbe Karten für einen Spieler?

Eigentlich ist die Fußballregel simpel: Nach der zweiten gelben Karte folgt unweigerlich die rote. Doch bei der Weltmeisterschaft 2006 passierte dem englischen Schiedsrichter Graham Poll ein Fehler, der weltweit für Staunen sorgte. Im Vorrundenspiel zwischen Kroatien und Australien zeigte er dem kroatischen Verteidiger Josip Šimunić in der 61. und 90. Minute jeweils die gelbe Karte, vergaß jedoch den fälligen Platzverweis. Šimunić spielte daraufhin einfach weiter, bis er in der 93. Minute erneut foulte und seine dritte gelbe Karte sah. Erst nach diesem dritten Vergehen schickte ihn der sichtlich verwirrte Referee endlich vom Feld. 

Bei der Weltmeisterschaft in Katar wurden bei dem Spiel zwischen Argentinien und der Niederlande die meisten gelben Karten verteilt.
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Das Spiel mit den meisten gelben Karten

Lange Zeit galt die „Schlacht von Nürnberg“ als Maß der Dinge, doch bei der Weltmeisterschaft 2022 in Katar wurde dieser Rekord, zumindest was die gelben Karten angeht, noch einmal übertroffen. Im Viertelfinale zwischen den Niederlanden und Argentinien zückte der Schiedsrichter insgesamt 18 gelbe Karten. Bemerkenswert ist dabei, dass nicht nur die aktiven Spieler auf dem Rasen verwarnt wurden, sondern auch Akteure auf der Ersatzbank sowie Mitglieder der Trainerteams. 

Welche Teams halten den Rekord für die meisten Platzverweise in der WM-Geschichte?
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Die meisten Platzverweise für ein Team

Blickt man auf die gesamte Historie der Weltmeisterschaften, gibt es Länder, deren Spieler besonders oft vorzeitig den Platz verlassen mussten. Den Rekord hält Brasilien mit insgesamt elf Roten Karten, dicht gefolgt von Argentinien mit zehn Platzverweisen. Auch Uruguay liegt mit neun Roten Karten weit vorne in dieser unrühmlichen Liste. Das liegt zum einen an der hohen Anzahl an Spielen, die diese erfolgreichen Nationen absolviert haben, aber auch an einer traditionell sehr körperbetonten Spielweise. Vor allem in den 1980er und 1990er Jahren waren Platzverweise für südamerikanische Teams fast schon an der Tagesordnung.

Arturo Brizio Carter hält den Rekord für das Vergeben der meisten roten Karten.
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Der Schiedsrichter mit den meisten Karten

Nicht nur die Spieler brechen Rekorde, sondern auch die Unparteiischen. Der mexikanische Schiedsrichter Arturo Brizio Carter hält einen Rekord, auf den er wohl mit gemischten Gefühlen blickt: In nur sechs WM-Spielen, die er in seiner Karriere leitete, verteilte er insgesamt sieben rote Karten. Er war bekannt für seine extrem strikte Linie und zögerte nie, bei grobem Foulspiel oder Unsportlichkeiten den roten Karton zu zücken. Seine konsequente Art machte ihn zu einem der meistgefürchteten Schiedsrichter der 90er Jahre.