Die größten Skandale der Fußball-WM

Die WM ist das wichtigste Fußball-Turnier. Trotzdem fördert sie neben tollem Fußball auch immer wieder Skandale zu Tage. Das sind die größten WM-Skandale.

Skandale hat die Fußball-WM einige produziert. Wir stellen euch die größten vor
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Es ist das Turnier, wo die besten Spieler und Mannschaften der Welt aufeinander treffen. Das Turnier hat traumhafte Geschichten, wie das deutsche Sommermärchen oder das Wunder von Bern hervorgebracht. Allerdings zeigen sich auf der große Bühne des Weltfußballs auch immer wieder die Schattenseiten dieses Sports. Mal brannten einem einzigen Spieler die Sicherungen durch, manchmal benahmen sich aber auch gleich ganze Teams derart daneben, dass die Welt nur verblüfft staunen konnte. Wir werfen einen Blick auf die größten Skandale der Fußball-WM.

Deutschland und Österreich vor Anpfiff des Spiels, das als Nichtangriffspakt von Gijon in die WM-Geschichte eingehen sollte
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# 1 Der Nichtangriffspakt von Gijon

Wie sich die Algerier wohl gefühlt haben müssen, als sie dem Spiel zusahen? Schließlich hatten sie in ihrer Gruppe Deutschland und Chile bezwungen und nur gegen die Österreicher verloren. Aufgrund der schlechteren Tordifferenz und da die Algerier ihr letztes Gruppenspiel bereits einen Tag vorher absolviert hatten, reichte Deutschland ein Sieg und Österreich eine Niederlage, solange sie nicht zu hoch ausfiel. Nach zehn Minuten ging die deutsche Nationalmannschaft durch einen Treffer von Horst Hrubesch in Führung. Dann fiel beiden Teams plötzlich auf, dass sie mit diesem Ergebnis beide weiter wären. Die Folge war, dass Deutschland sich den Ball müde und lustlos am eigenen Strafraum zuspielte und gar nicht mehr daran dachte irgendwelche Angriffsbemühungen zu unternehmen. Doch auch die Österreicher schienen mit dem Ergebnis zufrieden. Die Zuschauer waren aufgebracht und pfiffen, doch am Spielverlauf änderte das wenig. Mit einem der denkwürdigsten Spiele der Fußball-WM erreichten Deutschland und Österreich die Zwischenrunde. Und die Algerier? Die konnten nur tatenlos zusehen, wie sie auf die unwürdigste Art und Weise aus dem Turnier geworfen wurden.

Luis Suarez hält sich die Zähne nach seiner Biss-Attacke auf Giorgio Chiellini
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# 2 Luis Suarez, der Beißer

Am 3. Spieltag der Gruppenphase der WM 2014 zwischen Italien und Uruguay ereignet sich eine Szene, die dem urguyanischen Stürmer Luis Suarez einen neuen Spitznamen einbringt. In der 79. Minute gräbt sich der Stürmer-Star Uruguays in die Schulter seines Gegenspielers Giorgio Chiellini und beißt zu. Dieser kann es nicht fassen, reklamiert wild gestikulierend und entblößt seine linke Schulter, um auf die Bissspuren hinzuweisen. Suarez kommt ohne Platzverweis davon und verschafft der WM-Historie einen weiteren Skandal, nachdem er beim Turnier vier Jahre zuvor bereits für Trubel gesorgt hatte, als er in der Nachspielzeit der Verlängerung den Ball auf der eigenen Torlinie weggefaustet hatte und Ghana im darauffolgenden Elfmeterschießen den Halbfinaleinzug verpasste. Er stimmte nach seiner Biss-Attacke zu, einen Psychologen aufzusuchen.

Der Scheich aus Kuwait beruhigt die mitgereisten Fans
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# 3 Der Zorn des Scheichs

Es war eine wahre Posse, die sich während der WM 1982 ereignete, als die Franzosen am 2. Spieltag der Gruppenphase auf Kuwait trafen und ein umstrittenes Tor zum 4:1 erzielten. Der kuwaitische Scheich Fahid al-Ahmad as-Sabah rannte zornig aufs Spielfeld und forderte den Schiedsrichter auf das Tor zu annullieren. Andernfalls würde sein Team das Feld räumen. Nach hitzigen Diskussionen gab der Unparteiische schließlich nach. Immerhin erzielten die Franzosen später noch ein weiteres Tor, womit das Spiel schlussendlich doch 4:1 endete. Kuwait half der Protest nicht, für sie war das Turnier nach der Gruppenphase beendet.

Der Schiedsrichter zeigt Zinedine Zidane für seine Tätlichkeit die rote Karte
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# 4 Zidanes Kopfstoß gegen Marco Materazzi

Es war die Aktion der WM 2006, als Zinedine Zidane auch im übertragenden Sinn rot sah. Marco Materazzi hatte die Familie Zidanes übel beleidigt und dem Star der Franzosen war in diesem Moment seine Ehre wichtiger als irgendein Fußballspiel. Also rammte er dem italienischen Innenverteidiger seinen Kopf mit voller Wucht gegen die Brust. Er sah dafür die verdiente rote Karte und Frankreich verlor das Finale im Elfmeterschießen. Es war das letzte Profi-Spiel in Zidanes erfolgreicher Karriere.

Diego Maradona erzielt sein erstes Tor im Halbfinale gegen England, das später als "Hand Gottes" in die Fußball-Geschichte eingeht
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# 5 Die Hand Gottes

Es ist das WM-Halbfinale 1986 zwischen England und Argentinien. England träumt nach ihrem Triumph im eigenen Land 20 Jahre zuvor mal wieder von einem WM-Titel. Doch der Star der Argentinier Diego Armando Maradona weiß dies zu verhindern. Und zwar nicht gerade auf die feine englische Art. Nachdem er einen Doppelpass spielen will und ein englischer Spieler klären will, ihn allerdings in hohem Bogen in den eigenen Strafraum befördert, eilt Maradona zum Ball springt hoch und verlängert den Ball mit der Hand ins Tor der Englänger. Argentinien gewinnt 2:0 und Diego Maradonas zweites Tor - eines der schönsten in der Geschichte des Fußballs - wird zur Randnotiz. Die Welt diskutiert über sein erstes Tor und die "Hand Gottes".

Stefan Effenberg beim WM-Turnier 1994 in den USA: Ein seltener Blick, schließlich beendete der Stinkefinger, den er deutschen Fans zeigte, seine Nationalmannschaftskarriere
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# 6 Effenbergs Stinkefinger

Das WM-Turnier 1994 verlief für die deutsche Nationalmannschaft alles andere als erfolgreich. Nicht nur das Viertelfinal-Aus gegen Bulgarien sorgte für Gesprächsstoff. Der Stein des Anstoßes war vor allem die unrühmliche Geste zu der sich Mittelfeldspieler Stefan Effenberg in der Vorrundenpartie gegen Südkorea hinreißen ließ, als er unzufriedenen deutschen Fans den Mittelfinger zeigte. Die Geste markierte das Ende der Nationalmannschaftskarriere des "Tigers", wenngleich es vier Jahre später noch einmal einen Comeback-Versuch gab, der allerdings nicht glückte.

Rudi Völler zeigt dem Schiedsrichter, dass er von Frank Rijkaard angespuckt worden ist
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# 7 Rijkaards Spuckattacke auf Rudi Völler

Letztlich weiß eigentlich niemand, warum Rudi Völler überhaupt die rote Karte gesehen hatte. Aber alles protestieren half nichts. Sowohl der deutsche Stürmer, als auch der niederländische Verteidiger Frank Rijkaard mussten den Platz verlassen. Bereits vor dem Platzverweis hatte der Verteidiger der Elftal Rudi Völler angespuckt, doch als beide den Platz verließen, schlug das "Lama", wie Rijkaard danach von den Medien getauft wurde ein zweites Mal zu. Die Antwort auf die unfaire Spuckattacke gab die deutsche Mannschaft auf dem Platz und warf die Niederlande im Achtelfinale der WM 1990 mit 2:1 aus dem Turnier.

Diego Maradona wurde bei der WM 1994 in den USA nach überraschend guten Leistungen des Dopings überführt
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# 8 Maradonas Doping bei der WM 1994

Ja, noch einmal Diego Maradona. Die argentinische Skandalnudel hat in ihrer Karriere wenig ausgelassen. Nachdem es schien, als hätte Maradona Anfang der 90er seinen Zenit überschritten, drehte er in den ersten Spielen der WM 1994 noch einmal groß auf. Doch der Erfolg stand unter einem schlechten Stern, denn eine Urinprobe, die er nach dem zweiten Gruppenspiel abgeben musste, fiel positiv aus. Maradona war des Dopings überführt und wurde für 15 Monate gesperrt.

Die französischen Nationalspieler auf dem Platz eines WM-Stadions: Der Streik setzte den lustlosen Auftritten des Vize-Weltmeisters bei der WM 2010 die Krone auf
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# 9 Frankreichs Streik bei der WM 2010

Der Auftritt des Vize-Weltmeisters von 2006 war bei der Weltmeisterschaft in Südafrika an Peinlichkeit kaum zu überbieten. Auf dem Platz war es lustlos, müde und grenzte bereits an Arbeitsverweigerung. Aber dass das Team neben dem Platz tatsächlich vor dem letzten Gruppenspiel streikte und das Training verweigerte, war ein Novum in der Geschichte der Fußball-WM. Der französische Nationaltrainer Raymond Domenech verzichtete auf die Rädelsführer und verlor das letzte Spiel der Gruppenphase mit 1:2 gegen Gastgeber Südafrika.

Proteste der deutschen Spieler, nachdem das legendäre Wembley Tor 1966 gegeben wurde
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# 10 Das Wembley-Tor

Es gilt als so etwas wie die Mutter aller Fehlentscheidungen. Zumindest in Deutschland. Geoff Hursts Tor zum 3:2 in der Verlängerung des WM-Finales von 1966 war der Anfang vom Ende der deutschen Titelhoffnungen. Schlussendlich gewinnen die Engländer das Finale mit 4:2 und können den WM-Pokal im eigenen Land behalten. Deutschland verlor das Finale, aber der Fußball war fortan um eine seiner legendärsten Geschichten reicher.